Auf Spuren nach der perfekten Rezeptur für ein langes Leben – Die Insel der Hundertjährigen

Eine Gruppe alter Frauen auf Ogimi

Die Menschheit forscht und experimentiert unentwegt, um die Gesetze der Natur zu überwinden. Sie hat es geschafft, Roboter zu bauen, die ihr lästige Arbeiten abnimmt, sie ist im Begriff, den Mond touristisch zu erobern, aber ein Elixier für ewiges Leben, das hat sie bisher noch nicht erfunden.

In Japan gibt es ein kleines Dorf namens Ogimi, das zur Okinawa-Inselgruppe gehört. Dort scheint man dem Ziel, für ewig zu leben, bereits sehr nahe gekommen zu sein. Im Norden der okinawanischen Hauptinsel gibt es bemerkenswert viele Menschen, die es schaffen, die Hundertermarke zu überschreiten und bis ins hohe Alter fit und aktiv bleiben. Wir wollten erfahren, was die SeniorInnen von Ogimi anders machen als ihre Altersgenossen anderswo. Gibt es vielleicht doch ein Geheimrezept?

Die Schweizer Altersforscherin Sabina Misoch hat Ogimi besucht, um Näheres zu erfahren. Das Leben in dieser Region ist sehr agrarisch geprägt und unterscheidet sich stark von dem in den modernen japanischen Großstädten. Die Menschen gehen meistens nicht ins Altersheim, sondern leben allein in sehr einfachen Verhältnissen. Sie bestellen ihre Felder oder Gärten und ernten die Früchte ihrer harten Arbeit selbst. Viele arbeiten auch in Handwerksberufen. Die Hochbetagten von Ogimi sind sich darin einig, dass der Mensch auch im Alter eine Aufgabe braucht und die Beschäftigung ihn davor schützt, frühzeitig an Demenz zu erkranken. Nach Feierabend trifft man sich gerne, um eine Runde „Gateball“, eine Art japanisches Krocket, zu spielen.

Der Mediziner Makoto Suzuki untersucht schon seit vielen Jahren den Zusammenhang zwischen Genetik und Ernährung. Er hat festgestellt, dass die Ernährung der Menschen auf Okinawa sich von den Menschen auf der Hauptinsel Honshu grundlegend unterscheidet. Die Menschen dort essen weniger Fisch, dafür mehr Fleisch, insbesondere Schweinefleisch. In erster Linie zählen zu ihrer Nahrung die verschiedensten Sorten von regionalem Gemüse und Algen. Die Ernährung ist sehr ausgewogen, gesund und kalorienarm. Insbesondere die nur dort wachsende Bittergurke „Goya“ und eine Algenart namens „Umi Budo“, die wie kleine Weintrauben aussieht, sind regelrechtes Powerfood. Weit verbreitet in Japan und speziell auf Okinawa ist die Hara-Hachibu-Methode, was so viel heißt, dass man bereits mit dem Essen aufhört, wenn der Magen erst zu 80 Prozent gefüllt ist.

Ein weiterer und entscheidender Faktor ist die Lebenseinstellung der Menschen. Im Gegensatz zur Hektik, die in japanischen Großstädten herrscht, geht es auf Okinawa sehr gemächlich zu. Die Menschen lassen sich Zeit bei der Arbeit, sodass erst gar kein Stress aufkommen kann. Auch das Thema Soziales hat einen hohen Stellenwert in Ogimi. Im Gemeindezentrum werden für die Senioren kostenlose Gesundheitschecks und regelmäßige Treffen angeboten. Zum geselligen Beisammensein kommen mitunter auch Kindergartenkinder. Es wird gemeinsam Gymnastik gemacht oder einfach nur in gemütlicher Runde Tee getrunken und Gebäck gegessen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass selbst die Senioren von Ogimi kein Kraut gefunden haben, das ihnen zu endlosem Leben verhilft. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Bewahrung ihres traditionellen Lebensstils in Kombination mit einer immer besser werdenden medizinischen Versorgung die Grundpfeiler sind, die die Voraussetzung für einen außerordentlich guten Gesundheitszustand dieser Menschen bis ins hohe Alter schaffen.

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